Bestehen Nackenschmerzen länger als 12 Wochen, so werden sie als chronisch bezeichnet. In den meisten Fällen können neurologische oder sonstige körperliche Störungen ausgeschlossen werden, die Ursachen bleiben aus der Sicht der westlichen Medizin nicht wirklich greifbar.

Massage, so die Auswertung diverser Studien, zeigt allerdings kaum Wirkung und wird deshalb meist nur als Bestandteil eines „multimodalen Behandlungsprogramms“ verschrieben – wenngleich auch dafür, so die Kritik, kaum ausreichende „Evidenz“, also wissenschaftlicher Nachweis, vorliegt. Empfohlen wird in den deutschen Leitlinien, so der Spiegel, stattdessen Physiotherapie, Muskelkräftigung oder auch Akupunktur, die sich in den Forschungsergebnissen als effektiver erweisen.

Ein Forschungsteam um Karen Sherman von der University of Washington in Seattle ist nun der Frage nachgegangen, ob in vielen Studien schlicht zu kurz und zu selten massiert wurde und die Methode deshalb kaum Wirkung zeigte.

228 Patienten mit chronischem Nackenschmerz nahmen an der Studie teil und  wurden in sechs Gruppen eingeteilt. Fünf davon erhielten über vier Wochen Massagen. Je nach Gruppe zweimal oder dreimal 30 Minuten pro Woche beziehungsweise einmal, zweimal oder dreimal 60 Minuten pro Woche. Die sechste Gruppe stand lediglich auf einer Warteliste und bekam keine Massagen. Und um spezifisch den Effekt der Massagen bewerten zu können, sollten die Masseure den Betroffenen keine Tipps geben, wie sie – zusätzlich zur Massage – mit Hilfe von zu Hause durchgeführten Übungen den Schmerz bekämpfen können.

Fünf Wochen nach Studienbeginn wurden die Teilnehmer zu ihren Schmerzen befragt und es zeigte sich, dass diejenigen, die zwei- oder dreimal pro Woche je 30 Minuten lang oder einmal eine Stunde massiert worden waren, fast genauso stark über Schmerzen klagten, wie jene Probanden, die auf der Warteliste standen. Allerdings waren die Unterschiede nicht groß genug, um eine statistisch haltbare Aussage machen zu können.

Nur diejenigen Studienteilnehmer, die zwei- oder dreimal die Woche je 60 Minuten massiert wurden, gaben nach fünf Wochen eindeutig weniger Schmerzen an. Dreimal pro Woche Massage half zudem besser als wenn die Patienten nur zweimal wöchentlich massiert wurden.

Dass Massage als Behandlung bei den Patienten beliebt ist, zeigte sich auch in den Studienergebnissen. Die meisten Studienteilnehmer nahmen den Großteil der angebotenen Termine in Anspruch und es zeigten sich auch nur selten unerwünschte Nebenwirkungen (wie zeitweise verstärkte Schmerzen infolge der Massagen).

Die Empfehlung des Teams um Karen Sherman für weitere Forschungen, um die längerfristige Wirkung von Massagebehandlungen zu beurteilen, sind 60 Minuten dauernde Massagen mehrmals die Woche über mehrere Wochen hinweg, ergänzt mit Tipps für Übungen gegen Nackenschmerzen.

(Quellen: http://www.annfammed.org/content/12/2/112