Das Konzept von Yin und Yang, dessen Ursprünge in China liegen, reicht weit zurück in vorchristliche Zeiten. Seine erste Erwähnung findet es im Yi Jing, dem "Buch der Wandlungen". Yin (das Schriftzeichen bedeutet "Schattenseite eines Berges") und Yang ("Sonnenseite eines Berges") bezeichnen polare Gegensätze, die einander zugleich ergänzen, bedingen und kontrollieren. Vor allem vier Prinzipien sind es, die die Beziehungen zwischen Yin und Yang charakterisieren und beschreiben:

  • Komplementäre Polarität
  • Gegenseitige Abhängigkeit (Bedingtheit)
  • Gegenseitige Kontrolle
  • Gegenseitige Umwandlung

 

Komplementäre Polarität

"Alle Dinge tragen das Yin in sich, das Yang in den Armen", so steht es im Dao De Jing. Yin und Yang sind zwei einander ergänzende Aspekte, "zwei Seiten" eines Objektes, eines Vorganges oder eines Zustandes. Sie haben gegensätzlichen Charakter und bilden doch eine Einheit. Keines der beiden kann für sich allein stehen. Es gibt kein Yin ohne Yang, und es gibt kein Yang ohne Yin - vergleichbar mit der Beziehung zwischen Vorder- und Rückseite. Nie kann es eine Vorderseite für sich alleine geben, genau wie auch keine Rückseite alleine für sich möglich ist. Der Yin Yin- oder Yang-Charakter ist immer relativ, veränderlich und bedingt.

Im menschlichen Körper ist oben Yang, unten ist Yin. Vorne ist Yin, hinten ist Yang. Innen ist Yin, außen ist Yang. Dementsprechend ist der Oberkörper Yang in Vergleich zu den Beinen. Der Brustbereich wiederum ist Yang im Vergleich zum Bauchbereich. Die Vorderseite der Brust ist Yin im Vergleich zur Rückseite des Brustbereichs (oberer Rücken), und das Innere ist Yin im Vergleich zur Oberfläche ...

 

Gegenseitige Abhängigkeit (Bedingtheit)

Yin und Yang hängen voneinander ab, bedingen einander. Yin kann ohne Yang nicht sein, und Yang kann ohne Yin nicht existieren.

Für ein physiologisches Gleichgewicht und ein optimales Funktionieren unseres Organismus müssen sich Aktivität (Yang) und Ruhe (Yin) die Waage halten. Aktivität alleine, ohne entsprechende Ruhephasen, führt zu Erschöpfung - und damit endet zugleich auch alle Aktivität. Umgekehrt führt Inaktivität ebenfalls zu einem Ungleichgewicht in unserem Körper, zu Unausgeglichenheit und Krankheit.

 

Gegenseitige Kontrolle

Yin und Yang kontrollieren sich gegenseitig. Das Yang sorgt dafür, dass das Yin im Organismus nicht übermächtig wird, und umgekehrt sorgt das Yin dafür, dass das Yang "verpflichtet" wird.

Ist das Yin zu schwach, kann das Yang des Organismus nicht mehr ausreichend kontrolliert werden. Die Folgen sind beispielsweise subfebrile Temperatur, Nachtschweiß, Unruhe und Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen).

Ist hingegen das Yang zu schwach, so fehlt dem Organismus die bewegende, dynamisierende Kraft. Das Yin wird nicht mehr ausreichend kontrolliert (bewegt). Inaktivität, Abkühlung des Organismus und Funktionsschwäche sind die Folge.

 

Gegenseitige Umwandlung

Yin wandelt sich in Yang, und Yang wandelt sich in Yin. Winter und Sommer, Nacht und Tag gehen ineinander über, folgen einander. Aktivität und Anstrengung führen natürlicherweise zu Ruhe und Erholung. Ruhe und Erholung ihrerseits führen zu Tatendrang und Aktivität.

Auf physiologischer Ebene zeigt sich die gegenseitige Umwandlung beispielsweise darin, dass langanhaltendes Fieber (Yang-Zustand) zu Kälte (Yin) mit kalten Extremitäten und Frösteln führt . Stagnation (Blockade, Yin) hingegen führt in weiterer Folge zu einem "Entzündungsprozess", zu Hitze (Yang).