In Hinblick auf Diagnostik und Therapie lassen sich vor allem vier Prinzipien darstellen, die die (pathologischen) Beziehungen von Yin und Yang beschreiben:

  • Übermaß
  • Schwäche
  • Wandel ins Gegenteil
  • Schwächung des komplementären Aspektes

 

Übermaß

Ein Übermaß an Yang oder ein Übermaß an Yin - die Traditionelle Chinesische Medizin spricht von einem Fülle-Syndrom (shi zheng) - liegt dann vor, wenn pathogenes Yang (Hitze; z.B. in Form einer Infektion, Wind-Hitze) oder pathogenes Yin (Kälte; z.B. in Form eines bioklimatischen Einflusses, Wind-Kälte) in den Organismus eindringt.

Dringt übermäßige Hitze in den Organismus ein, so nimmt die Hitze im Organismus zu und gleichzeitig wird das Yin übermäßig verbraucht: Der Körper wird fiebrig, die Haut trocken ...

Dringt hingegen pathogenes Yin (übermäßige Kälte) ein, kann davon z.B. die Yang-Funktion der Milz betroffen sein. Die Kälte der Milz nimmt in diesem Fall zu und Durchfall ist eine der möglichen Folgen ...

 

Schwäche

Wird der Yang-Aspekt des Körpers (das "physiologische Yang") zu schwach - die Traditionelle Chinesische Medizin spricht im Fall einer Schwäche von einem Leere-Syndrom (xu zheng) - resultieren daraus Unterfunktion und Kälte im Organismus.

Ist hingegen das Yin des Organismus schwach geworden, so wird der Organismus trocken, unterernährt und Yang-Symptome (Hitze, Überfunktion etc.) zeigen sich.

 

Wandel ins Gegenteil

Extremes Yang, z.B. ein zu langes Sonnenbad, das zu einem Hitzeschlag führt, wandelt sich in Yin (mit Symptomen wie kalte Extremitäten, Frieren, Zittern, Schock, Durchfall etc.).

Umgekehrt kann extremes Yin zu Hitze führen, z.B. starke Kälte im Winter, die zu Lungenentzündung führt (mit Symptomen wie Fieber etc.).

 

Schwächung des komplementären Aspektes

Ist das Yin für längere Zeit geschwächt, so wird damit auch der komplementäre Yang-Aspekt geschwächt. Wird das Blut (Xue) schwach, so führt das auch zu einer Schwächung des Qi, zu Kältegefühl, Kurzatmigkeit und Schwäche.

Ist hingegen das Yang geschwächt, führt der Mangel an Transformationskraft im Organismus auch zu einer Schwächung des Yin. Wird das Qi (Lebensenergie) schwach, so resultiert daraus, wenn die Schwäche über längere Zeit andauert, eine Unterfunktion des Organismus insgesamt und damit auch eine Unterversorgung (Unterernährung) des Organismus, eine Schwäche des Blutes (Yin-Aspekt).