Zen-Shiatsu

Unter der Lebensessenz Jing versteht die Traditionelle Chinesische Medizin den "Samen des Lebens", den materiellen Aspekt des Körpers. Jing ist der Ursprung von Yin und Yang im Organismus und hat deshalb sowohl Yin- als auch Yang-Charakter.

Aus der Vereinigung des Jing von Vater und Mutter (Empfängnis) entsteht das Ursprungs-Jing, das Vorgeburtliche Jing, das die Entwicklung des Individuums und seine spezifische Konstitution bestimmt. Es ist das erste, was sich nach der Empfängnis bildet und Gestalt annimmt. Entwicklungsvorgänge im Körper, die Differenzierung der Organe und das Wachstum sind Wirkungen des Jing. Ist viel Jing verfügbar, bedeutet dies einen kräftigen Körper, eine hohe Vitalität und eine gute Resistenz.

Bis zur Pubertät wird Jing zum Wachstum und zur Reifung der Organe benötigt, nach der Pubertät zum Erhalt der Organfunktionen und zur Fortpflanzung. Im Alter erlischt mit abnehmender Menge des Jing die Fortpflanzungsfähigkeit und langsam auch die Funktionstüchtigkeit des Organismus - bis hin zur völligen Erschöpfung des Jing im Tod.

Qualität und Menge des Vorgeburtlichen Jing bestimmen die Konstitution des Individuums. Ist das Jing stark, fällt dem Organismus die Anpassung an die Umwelt leicht, ist die Lebenskraft und die Abwehr stark. Dabei wird das vorhandene Jing unaufhörlich verbraucht und wieder ergänzt durch das Erworbene Jing (Nachgeburtliches Jing), das aus der "gereinigten Nahrung" entsteht.

Der Yin-Aspekt des Jing bildet und sichert die materielle Grundlage für die Prozesse von Wachstum, Entwicklung, Fortpflanzung und Vererbung. Er entspricht dem Yin der Niere und sorgt für die materielle Grundlage der dynamischen Aktivitäten des Yang-Aspektes.

Der Yang-Aspekt des Jing entspricht dem Yang-Aspekt der Niere, der das Yang aller anderen Organe wärmt. Er ist verantwortlich für das Erwärmen (Verdampfen), Aktivieren, Umwandeln und Bewegen. Erst durch die aktivierende Unterstützung des Yang-Aspektes des Jing können die anderen Organe ihre jeweils spezifischen Aufgaben erfüllen.