"Zoster after shiatsu massage" ist ein kurzer Beitrag, der 1993 in der medizinischen Fachzeitschrift The Lanzet erschien1 und die mögliche Auslösung von Zoster2 durch eine Shiatsu-Behandlung an Hand einer Falldarstellung diskutiert.

Beschrieben wird der Fall einer 64jährigen Frau, die mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Notaufnahme kam. Die Symptome umfassten Brustschmerzen, die von hinten nach vorne und bis in den Oberarm ausstrahlten. Drei Tage zuvor hatte die Patientin eine - wie es im Bericht hieß - "übermäßig kräftige Shiatsu-Massage" erhalten, die linksseitig Schmerzen im Bereich des Nackens und des Schulterblattbereichs zur Folge hatte. Sieben Stunden danach kamen Parethesien (abnorme Körperempfindungen wie z.B. Kribbeln, Einschlafen der Glieder u.ä.m.) im linken Brustbereich, Rücken und Oberarm dazu. Am nächsten Tag hatte sie steife Finger und ein Taubheitsgefühl entlang der ulnaren (Kleinfinger-)Seite des Unterarms. Untersuchungen, ob ein Infarkt vorliegt, brachten ein negatives Ergebnis, die ausstrahlenden Schmerzen jedoch wurden zunehmend stärker und schließlich unerträglich. Am Morgen des sechsten Tages wachte sie mit einem Ausschlag in den gefühllosen Körperregionen auf. In den nächsten Stunden breitete sich der Ausschlag weiter aus und erfasste auch den Oberarm, den Rücken und die Schultern. Am siebenten Tag schließlich zeigte sich das typische Bild von Gürtelrose (Herpes Zoster) im achten cervikalen Dermatom (im Bereich des 7. Halswirbelkörpers) von der Wirbelsäule bis zum Handballen. Die weitere Anamnese ergab zudem, dass die Patientin im Alter von elf Jahren einen sehr heftigen Verlauf der Windpocken hatte.

Obwohl es sich auch um ein zufälliges Zusammentreffen handeln kann, so scheint den Autoren zufolge ein Kausalzusammenhang zwischen der Shiatsu-Massage des Nackens (und einem damit verbundenen Trauma) und dem Auftreten der Symptome naheliegend.3 Die Autoren gehen davon aus, dass im vorliegenden Fall der Ausbruch des Zoster entweder von einem direkten Trauma des Nervs bzw. der Nervenwurzel durch die Massage ausgelöst wurde oder aber eine Folge der aus der Behandlung resultierenden Entzündungsvorgänge im Gewebe war, die sich ihrerseits auf den Nerv auswirkten.

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[1] Alan H. Mumm, David M. Morens, Joe L. Elm & Arwind R. Diwan: "Zoster after shiatsu massage". In: The Lanzet Vol. 341, 13. Februar 1993, S. 447.
[2] Bei Zoster (Herpes Zoster, Gürelrose) handelt es sich um eine "Rezidativmanifestation der Infektion mit einem Varicella-Zoster-Virus nach endogener Virusaktivierung" (Definition des AKH-Consilium der Medizinischen Universität Wien, http://www.akh-consilium.at). Zoster beginnt mit einem Erythem (entzündliche Rötung der Haut) und lokalisierten Schmerzen. Danach zeigen sich gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund. Die regionalen Lymphknoten sind geschwollen. Die Hautmanifestationen sind meist unilateral (nur auf einer Seite) auf ein Dermatom (sensibel versorgtes Hautareal mit Bezug zum Rückenmarksegment und den zugehörigen Spinalnerven) beschränkt. Gelegentlich treten auch Prodromi (Frühsymptome, Vorzeichen) auf, die sich als Neuralgien im Bereich des befallenen Dermatoms und Störungen des Allgemeinbefindens manifestieren. Der Erreger der Windpocken wie auch Gürtelrose ist das Varicella-Zoster-Virus. Dieses Virus wandert nach einer überstandenen Windpocken-Erkrankung entlang der Nervenfasern zu den Spinalnerven. Dort kann das Varicella-Zoster-Virus über viele Jahre latent bleiben. Eine Reaktivierung dieser im Körper verbliebenen Viren führt zu einer Gürtelrose, die immer auf das Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven beschränkt ist. Damit handelt es sich bei der Gürtelrose um ein örtlich begrenztes Wiederauftreten der Windpocken (ohne erneute Infektion).
Die Erkrankung beginnt mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leiches Fieber). Nach zwei bis drei Tagen treten heftige Schmerzen sowie Empfindungsstörungen im Verlauf des betroffenen Nervs auf. Bald darauf bilden sich in demselben Gebiet auf der Haut gruppenförmig angeordnete Knötchen, die sich in stecknadel- bis erbsengroße Blächen umwandeln (die eine wässrige oder blutige Flüssigkeit enthalten können). Wenn die Hautveränderung fehlt - was gelegentlich vorkommt - spricht man von Zoster sine herpete. Bei einer Gürtelrose am Körperstamm kann es auch - wenngleich eher selten - zu Lähmungen kommen. Etwa zwei Drittel der Erkrankungen heilen folgenlos ab. Die Herpes-Zoster-Neuralgie ist in ihrer Dauer und in ihrem Auftreten vom Alter des Patienten abhängig, wobei insbesondere Menschen, die älter als 60 Jahre sind, häufig daran erkranken. Eine Post-Zoster-Neuralgie kann Monate bis Jahre dauern. Mögliche Komplikationen von Zoster sind bleibende Lähmungen oder auch - in besonders schweren Fällen, etwa wenn die Gürtelrose den ganzen Körper einschließlich innerer Organe betrifft - der Tod. Letzteres, der Zoster generalis, kann insbesondere bei Immunschwäche oder Therapien mit immununterdrückenden Medikamenten auftreten.
[3] Der Zusammenhang von Trauma und Symptomen, die sich zu Zoster steigern (traumatischer Zoster) - erstmals beschrieben von J.M. Charcot und E. Brown-Séguard (1859) - wurde lange Zeit kontroversiell diskutiert.