Ein Team um Daniel Cherkin vom Group Health Research Institute of Seattle erforschte die Auswirkungen von Massage auf chronische Rückenschmerzen an insgesamt 401 Personen.1 Beobachtet wurde, wie sich die Gesundheit der Teilnehmer an der Studie innerhalb eines Jahres verändert.2

Verglichen wurde in der Studie die Wirkung von "klassischer" ("schwedischer") Massage (136 Personen) und alternativer, ganzheitlich struktureller Massage (132 Personen), bei der klassische Techniken mit anderen Verfahren wie Triggerpunkt- oder Cranio-Sacral-Therapie verbunden wurde, um blockierte Energieflüsse wieder zu öffnen und auszugleichen (zusätzlich wurde ihnen auch Entspannungsübungen für zu Hause erklärt). Eine zusätzliche Kontrollgruppe (133 Personen) bekam für die Studienteilnahme 50 Dollar und die Möglichkeit - wie auch die Teilnehmer in den beiden anderen Gruppen - jederzeit einen Arzt aufzusuchen.

Nach 10, 26 und 52 Wochen ermittelten die Wissenschaftler mit einem einfachen Fragebogen, wie es den Teilnehmer an der Studie ging. Dabei beantworteten sie - neben anderen erhobenen Daten - 23 Fragen, wie etwa "Wegen meiner Rückenschmerzen bleibe ich den größten Teil des Tages zu Hause" oder "Ich gehe wegen meiner Rückenschmerzen langsamer als sonst". Jede mit "Ja" beantwortete Frage gab einen Punkt. Im Vorab veröffentlichten Studienprotokoll vermerkten die Untersucher ihre Annahme, dass die ganzheitlich-strukurelle Massage effektiver sein würde als die "klassische" ("schwedische").

Bei Beginn der Studie lag der Durchschnittswert bei 10,8. Nach 10 Wochen litten die zwei Drittel der Teilnehmer, die eine Massage erhalten haben, deutlich weniger unter ihren Rückenbeschwerden. Der Durchschnittswert bei der klassischen Massage war 2,9, bei der ganzheitlich strukturellen Massage 2,5 - ein Unterschied, der von den Forschern als klinisch nicht relevant bewertet wird.

Über unerwünschte Nebenwirkungen, vor allem stärkere Schmerzen, klagten 4 Prozent der Probanden mit "klassischer" Massage und 7 Prozent derer, die eine ganzheitlich strukturelle Massage erhalten haben. Es gab aber keinerlei schwerwiegende Nebenwirkungen.

Kritik an der Untersuchung gibt es unter anderem, weil die Teilnehmer der Kontrollgruppe keinerlei Betreuung (z.B. Entspannungsübungen für zu Hause - wie bei den anderen Studienteilnehmern) erhalten haben, und dass nicht klar herausgearbeitet wurde, ob die Massage oder die Entspannungsübungen den gewünschten Effekt bewirkt haben.

Die positive Wirkung der Massage verschwand zudem mit der Zeit. Schon 16 Wochen nach Ende des Massageblocks zeigte sich kein relevanter Unterschied mehr zwischen den Gruppen. Und nach einem Jahr ging es den Teilnehmern aller Gruppen besser als zu Studienbeginn - mit Fragebogendurchschnittswerten von 6 bis 7,4.

 

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[1] Cherkin et al.: A Comparison of the Effects of 2 Types of Massage and Usual Care on Chronic Low Back Pain. In: Annals of Internal Medicine,5. Juli 2011 Vol. 155 Nr. 1 S. 1-9.
[2] Gefördert wurde die Studie vom National Center for Complementary and Alternative Medicine, dem alternativmedizinischen "Arm" der US-Gesundheitsbehörde.
Quellen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,771575,00.html
Abstract: http://www.annals.org/content/155/1/1.abstract?aimhp
Full text: http://www.annals.org/content/155/1/1.full.pdf+html
(Irrtümer vorbehalten)