Menschen wie auch andere soziale Säugetiere (Hunde, Katzen, Elefanten und andere mehr) genießen es zu streicheln und gestreichelt zu werden, zärtliche Berühungen lösen bekanntermaßen und erfahrungsgemäß ein entspanntes Wohlgefühl aus, das zudem - im Normalfall - auch die soziale Beziehung zwischen den beteiligten Menschen fördert. Und obwohl dieser Umstand schon sehr lange bekannt ist, haben er kürzlich Biologen vom California Institute of Technology in Pasadena um Sophia Vrontou und David Anderson nachgewiesen, dass es - zumindest mal bei Mäusen - Nervenfasern gibt, die exklusiv für Streichel-Wohlfühl-Effekte zuständig sind, d.h. gezielt auf zärtliche Berühung reagieren und bei Aktivierung für Wohlbefinden sorgen. Veröffenlticht wurde die Studie in "Nature" 493, 669–673 (31. Jänner 2013).

Für ihre Untersuchung erschufen die Biologen gentechnisch veränderte Mäuse, bei denen jene Tasterven, die man im Verdacht hatte, zwei fluoreszierende Proteine bildeten, von denen eines bei Aktivierung der Zelle vorübergehend besonders stark leuchtet. Diese Nervenzellen bilden Verästelungen in der behaarten Haut und ziehen von dort als dünne Fasern bis ins Rückenmark. Von anderen Nervenzellen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie ein Sensorprotein mit der Kurzbezeichnung MRGPRB4 produzieren. Und tatsächlich, so konnten die Forscher in ihrem Versuch zeigen, ignorierten diese Fasern fast alle getesteten Reize. Nur dann, wenn das Fell mit einem Pinsel gestreichelt wurde, feuerten sie und lösten amit Wohlgefühl aus. Der letztendliche Beweis für diese Annahme erfolgte dadurch, dass man die Nerven statt mit einem mechanischen Reiz mit einem Wirkstoff aktivierte - und den gleichen Effekt erzielte.