Ziel der vier multizentrischen, randomisierten Studien (Teil des Modellvorhabens Akupunktur der Techniker Krankenkasse), die 2004 abgeschlossen wurden, war es zu überprüfen, ob und in welchem Ausmaß eine Verum-Akupunktur bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Lendenwirbelsäulen(LWS)-Schmerzen, Schmerzen bei Kniegelenksarthrose (Gonarthrose), Migräne und Spannungskopfschmerz wirksamer ist als eine Minimal-Akupunktur bzw. als keine Akupunktur (Wartelisten-Gruppe). In jeder der Teilstudien waren 300 Probanden (150 Verum-Akupunktur, 75 Minimal-Akupunktur, 75 keine Akupunktur), die über sechs bzw. zwölf Monate beobachtet wurden.

Die Verum-Akupunktur erfolgte durch tiefe Stichtechnik an definierten Akupunkturpunkten, die Minimal-Akupunktur (Sham-Akupunktur) durch oberflächliche Stichtechnik an wenigeren und nicht druckemfindlichen (schmerzhaften) Nichtakupunkturpunkten. Es erfolgten jeweils zwölf Behandlungen innerhalb von acht Wochen. Die Patienten der Wartelisten-Gruppe erhielten für acht bis zwölf Wochen keine Behandlung, danach ebenfalls Akupunktursitzungen. In allen Gruppen konten akute Schmerzen medikamentös behandelt werden.

Parameter der Studie (Baseline versus Follow-up nach Akupunktur) waren:

Schmerz gemessen anhand visueller Analogskala (LWS-Schmerz-Studie), Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index, WOMAC1 (Gonarthroseschmerz-Studie) und Anzahl der Kopfschmerztage mittlerer Intensität nach Kopfschmerztagebuch (Kopfschmerzstudien).

In allen vier Studien zeigte sich bezüglich der primären Zielparameter eine hochsignifikante Verbesserung zwischen der Verum-Akupunktur-Gruppe und der Wartelisten-Gruppe.2 Zwischen der Verum-Akupunktur- und der Minimal-Akupunktur-Gruppe fanden sich jedoch nur in der Gonarthrosen(Kniegelenks)-Schmerzgruppe Unterschiede, nicht jedoch bei Patienten mit Lendenwirbelsäulen-Schmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne.3

Kritik an den Studien ist von vielen Akupunkteuren (und auch Forschern) laut geworden. Kritik gab es wegen der (möglicherweise) vorzeitigen Entblindung4, aber auch wegen der Standardisierung bzw. Halbstandardisierung der Verum-Akupunktur, die nicht einer nach der Traditionellen Chinesischen Medizin individualisierten Therapie entspricht.Ein weiteres Problem stellt der Umstand dar, dass es auf Grund der vielen energetischen Verbindungen (Netzleitbahnen) extrem schwer ist, von Nichtakupunkturpunkten zu sprechen.

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[1] Kriterien des American College of Rheumatology.
[2] Akupunktur ist, so die Ergebnisse der Art- wie auch der Gerac-Studien, bei Gonarthrose (Kniegelenksbeschwerden) und Rückenschmerzen der Standardtherapie überlegen, bei Kopfschmerz und Migräne mit der Standardtherapie gleichwertig.
[3] Bei der Indikation Lendenwirbelsäulenschmerzen zeigte sich die Verum-Akupunktur tendentiell, aber nicht signifikant effektiver als die Minimal-Akupunktur.
[4] Dieter Wettig (http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/cgi-bin/ART_6.htm) sieht eine mögliche Verfälschung der Ergebnisse durch eine vorzeitige Entblindung der Studie. Und es, so Wettig weiter, kann auch der Umstand , dass die Patienten der Sham-Akupunktur nur oberflächlich gestochen wurden, die Ergebnisse beeinflussen, weil diese Patienten z.B. weniger Angst vor Nebenwirkungen, Nadelschmerz etc. haben und damit besser entspannen können. Zudem haben wiederum Patienten, die um ihre Verum-Akupunktur "wussten" "beruhigt" nichts weiter getan - anders als die Patienten der Minimal-Akupunktur, die vielleicht (ohne das anzugeben) weitere Behandlungen in der Follow-up-Phase hinzugenommen haben.
[5] Stellungnahme der SMS (Societas Medicinae Sinensis; Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin e.V.) zu den Ergebnissen der ART-Studie: http://www.ethnomed-akademie.de/action.news.newsId.31.dn.html.
Quellen: http://www.charite.de/epidemiologie/german/projekte/akuART.htm
Klaus Linde et al. - Acupuncture for Patients With Migraine. JAMA 2005, Vol. 293, No 17, 2118 - 2125 (http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/293/17/2118)
Dieter Wettig - Die ART-Akupunktur-Studien: Vorzeitig entblindet? (http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/cgi-bin/ART_6.htm)
Stellungnahme der SMS zu den Ergebnissen der Modellvorhaben Akupunktur (http://www.ethnomed-akademie.de/action.news.newsId.31.dn.html)
Deutsches Ärzteblatt Jg. 103 Heft 25, 23. Juni 2006 (http://aerzteblatt.lnsdata.de/pdf/103/25/a1752.pdf)
(Irrtümer vorbehalten)