Schon vor 6.000 Jahren, während des Neolithikums, siedelten Menschen im Tal des Wei-Flusses. Die Westliche Zhou-Dynastie (ca. 1.100 bis 771. v.Chr.) herrschte hier bis zu ihrer Vertreibung durch nomadische Stämme. Im Jahr 221. v.Chr. eroberte Fürst Zheng des Staates Qin das zerfallene Reich, beendete damit die Zeit der „Streitenden Reiche“ (475 - 221 v.Chr.) und ernannte sich selbst zum ersten Kaiser Chinas: Qin Shihuangdi („Erster Erhabener und Göttlicher“). Das Wei-Tal wurde das Zentrum seines Reichs und hier ließ er Xianyang als prunkvolle Hauptstadt errichten.

247 v.Chr., fast 30 Jahre vor seinem Tod im Jahre 210 v.Chr, begann Qin Shanhuangdi am Berg Lishan mit dem Bau seiner riesigen Grabanlage, die ein Spiegelbild seines irdischen Lebens darstellen sollte. Über 700.000 Fronarbeiter, so zeitgenössische Quellen, waren mit dem Bau der Anlage beschäftigt, die mit Armbrüsten mit Selbstauslöser vor Grabräubern geschützt wurde. In der eigentlichen Grabkammer lag um den Sarg des Kaisers sein Reich im Kleinformat nachgebildet, mit Gebirgen und Modellen von Palästen sowie Flüssen aus Quecksilber, die in einen kleinen Ozean strömten. Mit Walöl gefüllte Lampen erhellten die Szenerie (und sollten eine Ewigkeit lang alles erleuchten) und eine Kuppel mit aufgemalten Sternen wölbte sich über der Grabkammer.1)

Aber auch nach der Regentschaft von Qin Shihuangdi blieb das Wei-Tal Zentrum der kaiserlichen Macht, da die Westliche Han-Dynastie (206 v.Chr. - 24 n.Chr.) hier ihre Hauptstandt Chang´an („Ewiger Friede“) errichtete, die über Jahrhunderte ein politisches, ökonomisches und kulturelles Zentrum bildete.

In der Sui- und Tang-Dynastie (581 - 907) wurde Chang´an noch größer und prächtiger gebaut, so dass in der Tang-Zeit hier zeitweise bis zu einer Million Menschen lebten. Die Stadt erstreckte sich dabei über 80 Quadratkilometer und galt als architektonischer Inbegriff einer Hauptstadt, die auch Vorbild für die alten Metropolen Japans und Koreas wurde.

Spätere Dynastien nutzten Chang´an zwar nicht mehr als Hauptstadt, sie blieb aber weiterhin ein wichtiger Standort für den Handel. Nach dem Ende der Ming-Dynastie (1368 - 1644), im 17. Jahrhundert, erhielt die Stadt ihren heutigen Namen Xi´an („Westlicher Friede“).2) Heute erlebt die Millionenmetropole Xi´an einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und stellt damit die Archäologen vor große Herausforderungen im professionellen Umgang mit den vorhandenen Kulturgütern. Oftmals bleibt dabei nicht mehr die Zeit für eine wissenschaftlich ausführlich dokumentierte Grabung, sondern nur noch für eine Notbergung.

Quellen: Abenteuer Archäologie 2/2006 Wikipedia

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[1] Gefunden wurde die etwa 2,5 Quadratkilometer große Grabanlage nahe der heutigen Siebenmillionenstadt Xi´an am 19. März 1974 durch vier Bauern, die einen Brunnen graben wollten und statt auf Wasser in ein paar Meter Tiefe auf Bronzeteile und Terrakottafragmente stießen. Ein paar Monate später entdeckten Archäologen daraufhin die heute in aller Welt bekannte Armee von etwa 800 lebensgroßen Tonkriegern. Jeder einzelne Tonkrieger hat einen eigenen Gesichtsausdruck und ihre Gewänder sind sorgfältig und individuell gestaltet (es gab in der Qin-Armee auch keine einheitlichen Uniformen). Von den ursprünglichen Farben sind heute allerdings nur noch blasse Reste erhalten. Aufgetragen wurden die vermutlich mit Leim und Ei gemischten Pigmente auf eine Grundierung, die aus dem Saft des Lackbaums gewonnen wurde. Bein Trocknen färbt sich dieser seit der Steinzeit in China gebräuchliche „Qi-Lack“ dunkelbraun bis schwarz und bietet einen besseren Untergrund als die rohe Terrakotta. Zudem ist die Grundierung hitze- und wasserfest. Einzig starke Schwankungen der Luftfeuchtigkeit verträgt sie nicht, weshalb bei den meisten Figuren die noch erhaltenen Reste der Bemalung beim Bergen verloren gingen. Sobald der Qi-Lack aus dem feuchten Grund an die Oberfläche und damit ans Tageslicht kommt, trocknet und schrumpft er, wird rissig und sprengt die Farbschicht ab, was bei den klimatischen Verhältnissen im ei Tal in nur wenigen Stunden passiert. Heute wird darum mit besonderen Methoden gearbeitet, um die farbigen Fragmente möglichst unbeschädigt zu bergen. Sie werden vor Ort mit Wasser besprüht und so lange feucht gehalten, bis sie ins Labor gelangen. Dort tauschen Wissenschaftler in einem komplizierten Prozess das Wasser gegen einen Kunststoff aus, der die Fragmente beständig macht. Bei der Gestaltung der Figuren verwendeten die chinesischen Künstler Farben aus einer Vielzahl von Mineralien. Aus Bleikarbonaten beispielsweise machten sie Bleiweiß, aus Quecksilber Zinnober ein tiefes Rot, aus Eisenoxiden Gelb und Rot und aus Kupferkarbonat Malchalit ein sattes Grün. Zudem stellten sie auch künstliche Pigmente her, etwa den Han-Purpur, ein Kupfer-Barium-Silikat, das in der Natur so nicht vorkommt. Die Vielfalt der Physiognomien der Krieger der„Tönernen Armee“, so eine Theorie, spiegelt auch die Vielfalt der verschiedenen Stämme und Völker des chinesischen Reiches wider.
[2] Ingesamt war Xi´an, das etwa 1.000 Kilometer südwestlich von Peking liegt, von 221 vor bis 907 nach Christi Zentrum des chinesischen Kaiserreichs.