In der buddhistisch geprägten Medizin werden dreierlei Arten von therapeutischen Interventionen als nützlich betrachtet: medizinische Behandlung im engeren Sinne, Mantras und Meditation.

Die Notwendigkeit von Harmonie und Ausgeglichenheit zwischen den kosmischen Kräften und dem menschlichen Mikrokosmos bildet in der traditionellen fernöstlichen Medizin die Basis für das Verständnis von Gesundheit und Wohlbefinden. Eine solche Balance ist nicht nur die Voraussetzung für Gesundheit, sie wird vielmehr auch als Essenz derselben angesehen. Gesundheit ist das Gleichgewicht zwischen physischen, psychischen und spirituellen Elementen in unserer menschlichen Existenz.

Krankheit und Leid beginnen, so die buddhistische Lehre, mit unserer Geburt. Diese schon ist Folge und Ausdruck unserer Unwissenheit um die „wahre Natur des Geistes". Und diese Unwissenheit, zugleich auch Quelle anderer negativer Qualitäten wie beispielsweise Gier, Hass, Eifersucht und Stolz, ist Ursache für alles Leid und Unglück. Unsere durch Unwissenheit falsche Wahrnehmung der Welt verändert die Welt, die an sich grundsätzlich neutral ist. Letztendlich, weil alle Phänomene den Geist widerspiegeln – und dieser ist von Unwissenheit, Verblendung und negativen Emotionen geprägt –, ist unsere Wahrnehmung der phänomenologischen Welt (Samsara) voll Leid und Schmerz.

Vor allem drei Geistesgifte sind es, die in der buddhistischen Tradition als die Wurzeln aller Krankheiten betrachtet werden: Verblendung (Unwissenheit), Hass und Gier – im buddhistischen Rad des Lebens dargestellt als Schwein, Schlange und Hahn.

Die grundlegende Medizin ist deshalb jene Medizin, die uns von diesen Geistesgiften, von den ich-bezogenen, ego-zentrierten Ursachen des Leidens befreit. Die Wiederherstellung von Harmonie und Ordnung ist die als Basis des Heilprozesses – was die spirituelle Dimension ebenso mit einschließt wie das emotionale (psychische) und körperliche Wohlbefinden. Der Arzt muss also nicht nur das erkrankte Organ in seine Betrachtung einschließen, und auch nicht nur den gesamten Menschen – vielmehr muss er den Menschen in der Welt sehen und darin begreifen und verstehen.

In der traditionellen, vor allem tibetischen Praxis werden daher die medizinischen Hilfsmittel als heilige Objekte betrachtet und auch die Medizin wird unter Einbeziehung spiritueller Rituale zubereitet. Vor und nach der Zubreitung der Medizin führt der Arzt ein Ritual aus, in dem er sich selbst als „Meditations-Gottheit" visualisiert, die Medizin durch das Rezitieren von Mantras segnet und ihnen auf einer spirituellen Ebene besondere Wirksamkeit verleiht. Auf Grund dieses Segens kann der Patient, so die traditionelle Vorstellung, selbst dann noch von der Medizin profitieren, wenn er sterben sollte.