Laozi gilt als der Ahn- und Schutzherr des Daoismus und Verfasser des wohl bekanntesten Werkes der fernöstlichen Literatur, des Daodejing. Der Daoismus ist eine der großen geistigen Strömungen, die China durch die Jahrhunderte prägte, beginnend in der Zeit der Streitenden Reiche (475 v. Chr. bis 221 v. Chr.). Während der Konfuzianismus vor allem der offiziellen Moral und dem öffentlichen Leben seinen Stempel aufdrückte, blieb der Einfluss des Daoismus vor allem im geistigen Leben der Menschen lebendig, vielfach sogar vorherrschend. Neben Konfuzius ist Laozi (ältere Schreibweisen: Laotse, Lao-tzu) die bedeutendste Gestalt des chinesischen Altertums, dessen historische Existenz allerdings ungeklärt ist. Manche Forscher vertreten den Standpunkt, dass Laozi nur eine legendäre Figur ist, während andere zwar seine historische Existenz als bestätigt ansehen, aber unterschiedlicher Ansicht hinsichtlich seiner Lebenszeit sind.

Selbst das Shiji ("Aufzeichnungen der Historiker") von Sima Qian aus etwa 100 v. Chr. berichtet nur von unsicheren Überlieferungen. Letztlich beschränken sich die Angaben des Shiji auf drei Einzelheiten über das Leben von Laozi:

  • Laozi war Archivar am Hof des Zhou-Königs,
  • er empfing einen Besuch von Konfuzius und
  • er zog sich nach Westen zurück und diktierte das Daodejing, ehe er spurlos verschwand.

Sima Qian zufolge war Laozi ein Mann aus dem Dorf Huxian im Distrikt Lai der Präfektur Hu im Lande Chu. Sein Familienname war Li, sein Vorname Er, sein Großjährigkeitsname Dan. Das Dorf Huxian entspricht der heutigen Stadt Lu-i ("Hirsch-Stadt") in der Provinz Honan. Schon in der Han-Zeit (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) gab es dort ein Heiligtum, bekannt als "Palast der großen Reinheit", in dem sich eine vier Meter hohe Statue Laozis befindet. Unweit dieses Tempels, so wird berichtet, liegt auch das Grab Laozis und seiner Mutter.

Anderen Überlieferungen zufolge soll Laozi aber im Westen, im Lande Qin verschwunden und dort gestorben sein. Berichten zufolge liegt sein Grab in Huali ("Sophora-Dorf") in der Provinz Shensi.

Sein Name, so wird im Shiji berichtet, war Li Er (Familienname + Vorname) oder auch Li Dan (Familienname + Großjährigkeitsname). In den frühen Texten wird er allerdings niemals anders als Laozi (Meister Lao) und Lao Dan genannt. Lao selbst bedeutet "alt" und "ehrwürdig". Seine beiden anderen Namen Er ("Ohr") und Dan ("Langohr") stehen auch in Verbindung mit Langlebigkeit und Weisheit. Alte Weise wurden oft mit langen Ohren dargestellt.

Die Begegnung Laozi mit Konfuzius ist sehr bekannt und wird oft berichtet, sowohl in daoistischen wie auch in konfuzianischen Texten. Im folgenden die Darstellung im Shiji:

Als Konfuzius nach Chou ging, erkundigte er sich bei Laozi nach den Riten. Jener antwortete: „Die Knochen jener, von denen du sprichst, sind längst zu Staub zerfallen; nur ihre Worte sind uns erhalten. Im übrigen, ist die Zeit dem Edlen günstig, dann begibt er sich im Wagen an den Hof. Ist sie ihm ungünstig, so streift er unscheinbar gekleidet umher. Ich habe gehört, dass ein guter Kaufmann seine Reichtümer verbirgt, als ob er mittellos wäre. Besitzt der Edle innere Tugend in Fülle, so wirkt er äußerlich wie ein Tor. Lege ab deine hochfahrende Miene, deine Begierden, deine Eitelkeit und deinen Eifer, alles Dinge, die dir zu nichts frommen! Das ist alles, was ich dir zu sagen habe.“ Konfuzius zog sich zurück und sagte zu seinen Schülern: „Vom Vogel weiß ich, dass er fliegen kann, vom Fisch, dass er schwimmen kann, von den Vierfüßern, dass sie laufen können. Die Tiere, die laufen, kann man mit dem Netz, die Tiere, die schwimmen, in der Reuse fangen; die Tiere, die fliegen, sind mit dem Pfeil zu treffen. Allein der Drache lässt sich mit Gedanken nicht fassen. Er schwingt sich auf dem Wind und den Wolken gen Himmel. Heute habe ich Laozi gesehen. Er ist wie ein Drache!“

Den frühen Historikern zufolge residierte Laozi am Hofe der Zhou, verließ diesen jedoch in Richtung Westen, hin zum Lande Qin. Auf Verlangen des Passwächters (Yin Xi oder auch Guan Yin) diktierte er diesem seinen Gedanken über das Dao und das De, das Daodejing. Der Titel Daodejing wurde dem Werk aber erst in der Han-Zeit gegeben, bis zu diesem Zeitpunkt hieß es einfach - in Einklang mit den Gepflogenheiten - Laozi, nach dem Meister.1)

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[1] Die meisten der Bücher im Alten China waren im wesentlichen mündliche Überlieferungen, die vom Meister zum Schüler weitergegeben worden waren und dann aufgezeichnet wurden. Erst viel später, so scheint es, haben die Meister selbst Bücher verfasst. Quelle (vor allem): Max Kaltenmark: Lao-tzu und der Taoismus. Insel Verlag