De ("Kraft", "Wirkkraft", "Ausstrahlung", "Tugend", "Menschlichkeit") - in der Lehre des Konfuzius vor allem als Moralbegriff verstanden - bezeichnet in der daoistischen Tradition die Schöpferkraft des Dao, die "höhere Kraft", die (eben im Unterschied zum Konfuzianismus) keine bestimmte Tugend bezeichnet. Das Dao bringt die Dinge hervor, De, die (höhere) Kraft ist ihr Hüter.

Das Dao bringt sie hervor.

Die Kraft hegt sie.

Als Dinge sind sie geformt.

Als Geräte sind sie vollendet.

(Daodejing 14/51)

 

De, die Kraft, zu verstehen, aufzunehmen und so das Dao zu verwirklichen, ist das Ziel des Daoismus - wie es auch das Hauptwerk des Daoismus, das Dao De Jing ("Buch von Dao und De") schon in seinem Titel nahe legt.

Höhere Kraft ist kraftlos -

gerade daher hat sie ihre Kraft.

Niedrige Kraft lässt nicht von der Kraft -

gerade daher hat sie die Kraft nicht.

Höhere Kraft ist Nicht-Handeln ohne Wofür.

Höhere Menschlichkeit ist Handeln ohne Wofür.

(Daodejing 1/38)

 

Um das Dao zu verstehen geht die daoistische Tradition den inneren Weg der Stille und Leere, um Herz und Verstand zu leeren und für das De empfänglich zu machen. Ein Herz, das sich auf diesem Weg öffnet, kann das Dao in sich aufnehmen und verwirklichen, wird vom De berührt und inspiriert - und schenkt dem Menschen ein Leben in harmonischem Einklang und Einssein mit dem Dao.