Die Lehre des Buddhismus geht auf Siddhartha Gautama zurück, einen Prinzen der Shakjas (Shiakyas), die an der Grenze zum heutigen Nepal und Indien lebten.1) Prinz Siddhartha wurde um 563 v.Chr. geboren, zeitgleich mit den griechischen Philosophen Pythagoras und Heraklit und dem dschainistischen Asketen Mahawira.2) Seine Mutter Maya starb eine Woche nach seiner Geburt, weshalb er von ihrer Schwester (und Zweitfrau des Vaters) Mahapajapati aufgezogen wurde.

Über seine ersten 29 Lebensjahre gibt es vor allem mythologische Berichte, die sein Leben auf dem vorgezeichneten Pfad hin zum Buddha („der Erwachte“) beschreiben. Sein Vater Suddhodana, der wegen einer Weissagung seiner Priester Sorge hatte, ihn als Nachfolger zu verlieren, bot ihm allen weltlichen Luxus und hielt ihn von Erfahrungen von Leid und Schmerz fern.

Mit acht Jahren begann Siddharthas Ausbildung, wobei besonderer Wert - als Angehöriger des Kriegeradels – auf soldatische Fähigkeiten gelegt wurde. Mit 16 Jahren wurde er mit Jasodhara verheiratet. Mit 29 Jahren wurde sein Sohn Rahula geboren. Siddhartha aber brannte darauf, die Welt kennen zu lernen, die ihm sein Vater vorenthalten wollte. Der König gestattete ihm deshalb Ausflüge in den königlichen Park, wobei ihm allerdings der Anblick leidender und kranken Menschen vorenthalten werden sollte. Dennoch, so berichtet die Legende, soll Siddhartha bei seinem ersten Ausflug einem gebrechlichen Menschen, bei seinem zweiten Ausflug einem kranken Menschen, beim dritten Ausflug einem toten Menschen und bei seinem vierten Ausflug einem wandernden Asketen begegnet sein. Bald nach seinen Ausflügen (und nach der Geburt seines Sohnes) verließ Siddhartha sein Zuhause, seine Frau Jasodhara und seinen Sohn Rahula.

Der erste spirituelle Lehrer, dem sich Siddharta auf seiner Suche nach Befreiung durch Askese anschloss, war Alara Kalama. Doch trotz des Verständnisses dessen Lehren und dem Erreichen tiefster Versenkungen, erfuhr er keine Erlösung. Enttäuscht wandte er sich ab und seinem zweiten Meister, Uddaka Ramaputta, zu. Doch auch hier fand er nicht das gewünschte Ziel und wurde daraufhin Waldeinsiedler mit strenger Askese. Fast sechs Jahre, so wird berichtet, kasteite sich der zukünftige Buddha in Gesellschaft von fünf weiteren Asketen, die sich ihm in Bewunderung seiner Ausdauer angeschlossen hatten, so dass es heißt, seine Glieder seien nur mehr wie Lianen gewesen, sein Gesäß wie ein Ochsenhuf, sein Rückgrat wie eine Kugelschnur, seine Rippen wie die Spannen einer eingefallenen Hütte und seine eingesunkenen Augen wie die Widerspiegelung von Sternen in einem tiefen Brunnen.

Eines Tages, gegen Ende der sechs Jahre, kam Siddhartha aber zu dem Schluss, dass Enthaltsamkeit nicht zur Erleuchtung führt, beendete seine Askese und begann wieder - erbettelte einfache Speisen - zu essen, um für die Heilssuche zu Kräften zu kommen. Die fünf Asketen aber verließen ihn, weil er seinem asketischen Streben untreu geworden war.

Siddharta beschritt nun, 35jährig, den „mittleren Weg“ und fand im Jahre 528 v. Chr. in konsequenter Meditation seine Erleuchtung unter dem heiligen Bodhi-Baum in Bodh Gaja - wurde zum „voll erwachten“ Buddha.

In jener Nacht, als Buddha seine Erleuchtung fand, wurde er von Mara, dem Herrn der Finsternis versucht, aber Siddhartha widerstand Mara und gelangte noch in dieser Nacht durch die acht Stufen der Meditation zur Vollkommenheit.

Seine erste Lehrrede („Das Andrehen des Dharma-Rades“), hielt Gautama Buddha den fünf Asketen, die ihn während seiner Askese begleitet hatten: Die richtige Methode ist der mittlere Weg, der zwischen einer Hingabe an Sinnesfreuden einerseits und einer Kasteiung andererseits liegt. Wer die Erlösung sucht, muss die Vier Edlen Wahrheiten erkennen:

  • Die Wurzel des Lebens ist Leiden (Dukkha)
  • Leiden entsteht durch Verlangen und Gier
  • Wer dieses Verlangen überwindet, wird vom Leiden erlöst und erreicht das Nirwana
  • Den Weg zur Erlösung weist der Achtfache Pfad

Der Edle Achtfache Pfad beruht auf acht miteinander verknüpften Prinzipien:

  • rechte Ansicht
  • rechtes Denken
  • rechte Rede
  • rechtes Verhalten
  • rechte Lebensführung
  • rechtes Streben
  • Achtsamkeit
  • Meditation

Die fünf Asketen Kondanna, Vappa, Bhaddiya, Mahanama und Assaji erkannten die Vollkommenheit des Dharma, den der Buddha lehrte, und wurden die ersten Mönche auf dem buddhistischen Weg.

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[1] Alle paar Jahre, so das politische System der „Sakya-Republik“, wählten die Familien des Kriegsadels aus ihrer Mitte einen Herrscher (raja), der auch den Vorsitz im Stammesparlament innehatte. Als Siddhartha geboren wurde, war sein Vater Suddhodana Raja, weshalb man ihn in der buddhistischen Tradition als König und Siddhartha als Prinz bezeichnet.

[2] Der Dschainismus wird vom Sanskrit-Wort Dschina abgeleitet, das „Sieger“ bedeutet. Dschina ist der Ehrentitel der 24 Furtbereiter (Tirthankaras), die durch Askese Geist, Leidenschaft und Körper bezwangen. Der Dschainismus ist die asketischste der indischen Religionen. Mahawira war der letzte der 24 Furtbereiter und gilt als der größte Asket des Dschainismus.